Montag, 30. April 2012

Martin Luther: Der alte böse Feind - sein groß Macht und viel List


EIN FESTE BURG ist unser Gott, ein gute Wehr und Waffen.
Er hilft uns frei aus aller Not, die uns jetzt hat betroffen.
Der alt böse Feind mit Ernst er’s jetzt meint;
groß Macht und viel List sein grausam Rüstung ist,
auf Erd ist nicht seinsgleichen.

Wenn's heisst: "Sei du doch nicht so eng! Wir leben in 'ner and'ren Zeit.
Du nimmst das alles viel zu streng. Mach doch dein Herze weit und breit!" Der Rat, der ist schlecht. Entscheide dich recht. Der Weg ist nur schmal,
der führt zum Himmelssaal. Es lohnt sich, ihn zu gehen.


zu allen sieben Strophen EINE FESTE BURG - ZEITAKTUELLER TEXT von A. Bossh.; A. Gr.; E. Reber: hier

Danke an Zeltmacher Nachrichten und
an A. Bossh.; A. Gr.; E. Reber !


Weniger Freiheit in Europa


Immer mehr Länder schränken den Gebrauch von Bargeld drastisch ein. Der gläserne Bürger rückt dadurch näher. Aus dem mündigen Konsumenten wird eine durchleuchtete Marionette...

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Kontextualisierung des Evangeliums


Eine kritische Betrachtung der Methode der Kontextualisierung für die Mission unter Moslems

G. Walter


Das C1 - C6 Spektrum der Kontextualisierung für die Mission Arabisch sprechender Länder wurde von John Travis im Jahre 1998 vorgestellt und wird sowohl vom Weltkirchenrat als auch von vielen Evangelikalen (mit einer leicht veränderten Akzentuierung) akzeptiert. Die Vorstellung der Kontextualisierung geht auf die 1970er Jahre zurück und vertritt den Grundgedanken, dass jede Volksgruppe ihr eigenes kontextualisiertes (an ihre Kultur angepasstes) Verständnis des Evangeliums hat oder haben sollte.

In einem "Trialog" (Dreiergespräch) zwischen der biblischen Offenbarung, der Kirche selbst und ihrer Kultur entsteht eine Theologie, die der jeweiligen christlichen Gemeinschaft angemessen ist. Es gibt keine reine, supra-kulturelle [über alle Kulturen hinweg] - allgemein verbindliche, universell anerkannte - Botschaft der Bibel für alle Araber, sondern das Evangelium muss der jeweiligen ethnischen Gruppe in ihrem eigenen kulturellen Umfeld angepasst (=kontextualisiert) werden. Vor allem in ökumenischen Kreisen schätzt man die „Vielfalt“ eines solchen kontextualisierten Christentums.

John Travis definierte die Kategorien C1 - C6 der Kontextualisierung in folgender Weise:

C1
Orthodoxe, katholische, protestantische Kirchen, die westlich geprägt sind und nicht arabisch sprechen. Sie stehen in einem starken Kontrast zu ihrer moslemischen Umwelt. Es gibt wenige Christen mit moslemischem Hintergrund. Sie bezeichnen sich als Christen.

C2
Orthodoxe, katholische, protestantische Kirchen, die arabisch sprechen und dennoch in einem starken Kontrast zu ihrer moslemischen Umwelt stehen. Die meisten dieser Kirchen befinden sich in der arabischen Welt. Es finden sich unter ihnen mehr Christen mit moslemischem Hintergrund als in C1. Sie bezeichnen sich als Christen.

C3
Kirchen, welche die arabische Sprache verwenden, jedoch in einer neutralen Form, was Religion und Kultur angeht. Islamische Elemente werden herausgefiltert, um ausschließlich nicht-religiöse Begriffe zu verwenden. In diesen Kirchen finden sich in der Mehrzahl Christen mit moslemischem Hintergrund. Sie bezeichnen sich als Christen.

C4
Christliche Gemeinschaften, welche die arabisch-islamische Sprache und Formen verwenden. Diese Gemeinschaften sind C3 ähnlich, aber sie übernehmen auch religiöse Praktiken des Islam (Verbot von Schweinefleisch und Alkohol, Kleidung, Fasten, Gebet mit erhobenen Händen usw.). Diese Gemeinschaften bestehen nahezu ausschließlich aus Christen mit moslemischem Hintergrund und werden gewöhnlich von der islamischen Gesellschaft als Moslems betrachtet. C4-Gläubige bezeichnen sich selbst als Nachfolger von Isá al-Masih (die Bezeichnung des Korans für Jesus).

C5
„Messianische Moslems“: sie betrachten sich als Nachfolger von Isá al-Masih. Diese Gläubigen verbleiben rechtlich wie sozial in der ummah (Gemeinschaft) mit dem Islam. Aspekte islamischer Theologie, die mit dem christlichen Glauben unvereinbar sind, werden verworfen oder umgedeutet. Die Teilnahme am islamischen Leben unterscheidet sich von Gruppe zu Gruppe. C5-Gläubige treffen sich regelmäßig und bezeugen ihren Glauben unter Moslems. Sie werden von der moslemischen Gesellschaft teilweise als Muslime betrachtet, teilweise werden sie als Abtrünnige angesehen. Bekehrt sich ein ganzes Dorf, kann es dazu kommen, dass die Moschee zu einer „messianischen Moschee“ wird.

C6
Aus Angst vor Repressalien oder Isolation praktizieren C6-Gläubige ihren christlichen Glauben geheim, entweder einzeln oder in Kleingruppen. Sie kommen durch Träume, Visionen, Traktate, Zeugnisse oder Medien (Internet, TV, Bücher) zum Glauben. Sie bezeugen ihren Glauben in der Regel nicht. Sie werden von Moslems als Moslems betrachtet und geben sich als Moslems zu erkennen.


Unter Evangelikalen war es Charles H. Kraft vom Fuller Seminary, der bereits 1974 die Theorie der Kontextualisierung der Mission in der arabischen Welt propagierte. Kraft vertrat die Ansicht, arabische Christen sollten ihre arabisch-moslemische Kultur nicht ablegen und stattdessen ihre eigene Theologie schaffen. Schon damals argumentierte er, dass christliche Missionare in arabischen Ländern Begriffe wie „Vater“, „Sohn Gottes“ oder „Trinität“ nicht verwenden sollten, da diese Begriffe im arabischen Kulturkreis Anstoß erregten.1

Je höher der Grad der Kontextualisierung ist, desto größer ist der Synkretismus (Religionsvermischung). Während christlich-arabische Gemeinschaften, die der Kategorie C1 - C3 zuzuordnen sind, sich relativ eng am traditionellen Christentum orientieren, entfernen sich Gemeinschaften, die der Kategorie C4 - C6 angehören, immer weiter von der biblischen Offenbarung. Wenn C6-Gläubige Begriffe wie „Vater“, „Sohn Gottes“ oder „Trinität“ nicht mehr verwenden, sie neu deuten oder gar umdefinieren, dann führt dies letztlich dazu, dass der ursprünglich biblische Sinngehalt verloren geht. Der „Sohn Gottes“ (Son of God) wird reduziert auf einen „Sohn“ (son) und die Lehre der Trinität, eine Kernlehre des christlichen Glaubens, wird auf dem Altar der Kontextualisierung geopfert.

Ob jeder „messianische Moslem“, jeder C6-Gläubige, im orthodoxen Sinne überhaupt noch als Christ bezeichnet werden kann, darf nicht zu Unrecht bezweifelt werden. Der „C6-Christ“ mag aufrichtig an Isá al-Masih („Jesus“) glauben, doch er mag eine andere Vorstellung von Jesus haben als ein Christ, der die biblische Trinitätslehre kennt und vertritt. Der „Jesus“ des Korans war nichts weiter als ein Mensch und lediglich ein Prophet unter vielen. Nach Vorstellung des Korans wird „Jesus“ einmal dem Propheten Mohammed dienen, wenn er wiederkommt. Der Jesus der Bibel hingegen war der Prophet aller Propheten und ist Gottes Sohn, der „wahrhaftige Gott“ (1Joh 5,20).

Eine weitere Problematik der C6-Christen ist in der Tatsache begründet, dass diese Araber unter anderem den christlichen Glauben durch „Träume“ und „Visionen“ angenommen haben. Gott kann in seiner Souveränität durchaus Menschen durch Träume und Visionen zu sich rufen. Die Bibel lehrt allerdings, dass Gott die Predigt des Evangeliums - und nicht Träume und Visionen - dazu bestimmt hat, die Menschen ins Reich Gottes zu rufen.

Da nicht wenige Berichte aus der arabischen Welt kommen, die bezeugen, dass vielen Arabern „Maria“ erschienen sei, stellt sich die Frage, ob der „Jesus“, der sich manchem Araber durch Traum oder Vision offenbart hat, nicht ein Trugbild und damit aus demselben Geist inspiriert ist wie die Erscheinungen der „Maria“. Hierzu können nur wachsame Missionare vor Ort etwas sagen, die die arabischen Christen wirklich kennen und die über Unterscheidungsvermögen verfügen, ob es sich bei dem vermeintlich bekehrten Araber tatsächlich um einen wahren Nachfolger des biblischen Christus handelt oder ob er, verführt durch die listigen Anläufe des Teufels, einem synkretistischen, einem „anderen Jesus“ dient (siehe 2Kor 11,1-4).

Der Apostel Paulus jedenfalls kannte keine „messianischen Gesetzeslehrer“ oder „messianischen Pharisäer“, die, dem Prinzip der Kontextualisierung folgend, ihre jüdische Kultur und Religion beibehielten und obendrein den wahren Glauben an Jesus empfangen hatten. Paulus rief die Juden auch nicht dazu auf, in einen Trialog mit sich selbst, ihrer Kultur und der neutestamentlichen Offenbarung, wie der Heidenapostel sie direkt von seinem Herrn empfangen hatte, einzutreten. Paulus rief die Juden schlichtweg zur Buße sowie zur radikalen Umkehr in die Nachfolge Christi. Eine Umdefinition des christlichen Glaubens im jüdischen Kontext war für Paulus und die anderen inspirierten Autoren der Bibel undenkbar. Der Hebräerbrief ist hierfür wohl das klarste Beispiel des Neuen Testaments, dass eine Kontextualisierung (=Anpassung) des Christentums an das Judentum aussichtslos ist.

Die Vertreter der Kontextualisierungs-Methode unterliegen gleich mehreren Irrtümern.

Erstens, sie verkennen den progressiven Charakter der göttlichen Offenbarung. Was im Alten Testament nur als Schatten vorhanden war, erstrahlt im Neuen Testament im Lichte der Herrlichkeit Gottes. Würde ein bekehrter Jude das Evangelium kontextualisieren, also an das jüdische Alte Testament anpassen, würde er aus dem Glauben und der Gnade fallen, wie der Galaterbrief und der Hebräerbrief offenkundig zeigt. Paulus und die anderen Apostel verkündeten jedoch das eine klare, unveränderliche Evangelium, das für alle Volksgruppen die eine ewig-unveränderliche Heilsbotschaft war.

Wie vehement die Apostel gegen eindringende Irrlehren kämpften, machen die neutestamentlichen Briefe nur zu deutlich - kaum ein Brief ohne einen oder mehrere Hinweise, die Reinheit der Lehre zu bewahren. Vermischung oder Anpassung der Botschaft des Evangeliums wurde in den neutestamentlichen Schriften postwendend mit dem Aufruf beantwortet, an dem einmal überlieferten Glauben festzuhalten und das anvertraute Gut, das Evangelium, zu bewahren.

Dass Paulus sich um des Evangeliums willen der jüdischen Kultur unter bestimmten Umständen und in gewissem Maße anpasste, wie das Beispiel der Beschneidung des Timotheus zeigt, berührt aber keinesfalls den Kern der Evangeliumsbotschaft. Paulus konnte vehement gegen jene judaistischen Gesetzeslehrer wettern, die die Beschneidung als Akt der Heilsaneignung neben dem Evangelium forderten.

Wie ist dies zu deuten? Biederte sich Paulus denn mit einem solchen Verhalten nicht an oder machte er gar Kompromisse? Und haben die Kontextualisierer vielleicht nicht doch recht, wenn sie Moslems, Juden und Anhänger anderer Religionen zugestehen, Begriffe und Riten ihrer jeweiligen Religion zu übernehmen, sofern sie Christus nachfolgen wollen? Paulus war radikal in seiner Nachfolge und machte niemals Kompromisse, wie seine Äußerung an die Galater zeigt: „Denen haben wir auch nicht eine Stunde durch Unterwürfigkeit nachgegeben, damit die Wahrheit des Evangeliums bei euch verbliebe“ (Gal 2,5). Obgleich Paulus zu der Beschneidung des Timotheus seine Einwilligung gab, wich er kein Jota von „seinem Evangelium“ ab! Wenngleich Paulus Timotheus beschneiden ließ, verkündete er kompromisslos das Evangelium ohne Beschneidung! Und genau das ist der Unterschied zu den Kontextualisierern. Sie haben nichts dagegen einzuwenden, wenn die Botschaft des Evangeliums um- oder neugedeutet wird. Im Gegenteil, sie rufen sogar zu einem solchen Vorgehen auf.

Zweitens, Kontextualisierer verdingen sich aber nicht nur als solche, die einer kulturellen Umdeutung des Evangeliums Vorschub leisten, sondern sie gehen sogar so weit, dass sie wenig Ehrfurcht vor der Heiligen Schrift sowie ihrer Autorität, Unfehlbarkeit und Irrtumslosigkeit zeigen. Der Versuch, den von Gottes Geist inspirierten und ein für allemal überlieferten Text der Bibel zur Disposition zu stellen und mit der Heiligen Schrift nach Belieben verfahren zu wollen, so wie es die jeweiligen kulturellen Vorlieben scheinbar erfordern, der Versuch, jeden Anstoß der Evangeliumsbotschaft vermeiden zu wollen, kann nur dann gelingen, wenn Gottes Wort nicht unangetastet bleibt und folglich von Menschenhand verändert wird.

Drittens, Kontextualisierer schaffen zwei Arten von Christen. Travis beispielsweise spricht von Muslim-Background Believers (MBB), also von Gläubigen mit moslemischem Hintergrund. Der Anteil der MBB's steigt mit jedem Kontextualisierungsgrad (C1 - C6). Der Nachteil dieses Begriffs ist, dass er sich auf die Vergangenheit dieser Personen konzentriert und eine von anderen Christen unterschiedliche Klassifizierung einführt. Wieder andere Missionare sprechen im Zusammenhang mit der arabischen Welt von Christian-Background Believers (CBB), die wahre Gläubige von den nominell Gläubigen unterscheiden.2 Travis verkennt, dass das Neue Testament trotz aller kultureller und religiöser Unterschiede, was die Herkunft von Menschen angeht, die sich zum christlichen Glauben bekehren, nur eine Art von Christen kennt - eine neue Kreatur in Christus - mit nur einer Art von Botschaft - dem einen Evangelium.

Viertens, Kontextualisierer stehen in der Gefahr, Menschen in den Synkretismus zu führen. Auch David Zeidan vom Barnabas Fund, einer christlichen Organisation, die unter verfolgten Christen missioniert, kommt in seinem Artikel Muslim and Jewish Evangelism in Bezug auf die Kontextualisierung zu der Schlussfolgerung: "Die interessanteste Entwicklung in der Evangelisation ist das Modell C5 der Kontextualisierung... In Bezug auf die Evangelisierung der Moslems ergibt sich ein akutes Problem, da die Unterwerfung unter den offiziellen Islam die Akzeptanz Mohammeds und des Korans einschließt, die bis zu einem gewissen Grad anerkannt werden. Moslemische Rituale, Gebräuche und Symbole, die man auf die gleiche Ebene stellt wie biblische Lehre, ist von vielen Gefahren begleitet... Es gibt immer das Risiko auf Abwege zu geraten, die in den Kompromiss und Synkretismus führen."3

Trotz der großen Gefahren, die Zeidan anerkennen muss, glaubt er, dass eine "radikale Kontextualisierung" sowohl Juden wie Moslems zum christlichen Glauben führen könne. "Wie viel von ihrer jeweiligen Religion (rabbinischer Judaismus oder Islam) in diese authentische Kultur übernommen werden kann, ohne die grundlegenden Lehren des biblischen Glaubens an Jesus, den Messias, zu verleugnen, ist eine der wichtigsten Probleme, vor denen die radikale Kontextualisierung für beide religiösen Gruppierungen heute steht,"4 so Zeidan. Und weiter räumt Zeidan ein: "Es besteht die große Gefahr, dass das Jüdischsein oder das 'Moslemischsein' zu einem alternativen Zentrum wird, dass allmählich diese biblischen Zentrallehren verdrängt."5 Mit anderen Worten, man muss Kontextualisierung so gestalten, dass es nicht zu einer Vermischung von Religionen kommt. Warum dann nicht gleich ein klares Evangelium verkünden, das mit allem bricht, was unbiblisch ist oder die Gefahr des Abweichens in sich birgt?

Das Zentrum des Evangeliums ist Jesus Christus und sein Erlösungswerk am Kreuz von Golgatha. Nur wer diese Zentralität nicht aufgibt und sich im Glauben durch Gnade zu seinem Erlöser und HERRN hält, ist Teil des wahren Gottesvolkes. Wie vehement sich das Neue Testament gegen Kontextualisierung wendet, wird an vielen Stellen der Schrift offenkundig, vor allem im Galaterbrief und Hebräerbrief. Aus diesem Grund muss kontextualisierte Evangelisation von vorneherein als unbiblisches Evangelisations-Modell zurückgewiesen werden.

Das Argument, es sei besser, Menschen in arabischen Ländern mit dem C5- oder C6-Modell der Evangelisation zu erreichen als überhaupt keine Araber für den Glauben zu gewinnen, ist ein Scheinargument. Es erhebt sich über Gottes Gebot, in alle Welt zu gehen und Jünger zu machen, indem diese getauft und im Evangelium unterwiesen werden. Der Missionar kann das Evangelium nicht einfach deswegen verwässern, um Anstoß zu vermeiden oder um Neubekehrte vor Verfolgung zu schützen. Die Apostelgeschichte ist die Geschichte der urchristlichen Mission und lehrt unmissverständlich, dass sie ein solches Vorgehen nicht kennt.

"Denn wir haben diesen Mann als eine Pest befunden und als einen, der unter allen Juden, die auf dem Erdkreis sind, Aufruhr erregt, und als einen Anführer der Sekte der Nazoräer" (Apg 24,5), lautete das Urteil des Tertullus als auch der anwesenden jüdischen Führer aus Jerusalem über den Heidenmissionar Paulus. Es wäre für den Juden Paulus, der zumal ein Pharisäer und damit gesetzeskundig war, ein Leichtes gewesen, das Evangelium zu kontextualisieren und der Konfrontation mit seinen Landsleuten aus dem Weg zu gehen. Ferner hätte Paulus auch jede Konfrontation mit den heidnischen Kulturen seiner Zeit aus dem Wege gehen können, indem er eine neue, progressive Theologie der Kontextualisierung eingeführt hätte. Doch Paulus entschied sich unter der Leitung des Heiligen Geistes, dem Missionsbefehl Gottes zu folgen - und "auf dem Erdkreis Aufruhr zu erregen."

Kontextualisierte Evangelisation ist, als ob der Chirurg mit verunreinigten Instrumenten operiert und argumentiert: "Es ist besser, mit verunreinigten Instrumenten zu operieren, selbst wenn einige Patienten an den Folgen von Infektionen versterben - besser diese Patienten operieren, als untätig zu bleiben." Solch ein Handeln würde niemand gutheißen! Übertragen auf die kontextualisierte Evangelisation stellt sich die Frage: Ist es tatsächlich besser, Moslems oder Anhänger anderer Religionen mit einer Botschaft zu evangelisieren, die Kompromisse mit der reinen Lehre des Evangeliums macht, selbst wenn die Gefahr besteht, dass das Zentrum des christlichen Glaubens verrückt wird und C5- und C6-Gläubige einem synkretistischen Götzendienst verfallen? Die Antwort auf diese Frage kann nur ein klares NEIN sein. Der Chirurg muss steril und sauber arbeiten, um das beste Ergebnis für seinen Patienten zu erreichen und um nicht als Quacksalber zu gelten. Der christliche Missionar und wahre Nachfolger Jesu muss die reine Lehre des Evangeliums ohne Kompromisse und Verunreinigungen durch kulturell-religiöse Beimischungen verkünden, denn es geht bei seinen Zuhörern um weit mehr als ihre Leiber, es geht um das ewige Heil ihrer Seelen.

Kann ein Missionar verantworten, die klare Botschaft des Evangeliums zu verkünden und Menschen in eine radikale Nachfolge zu rufen, wenn er weiß, dass dies unter Umständen den Anstoß unter seinen Mitbewohnern hervorruft? Diese Frage ist mit JA zu beantworten, denn der Missionar ist ein Knecht Christi, der nicht Menschen zu gefallen hat, sondern seinem HERRN. Wenn er das Evangelium treu und wahrhaftig verkündigt, ist nicht mehr er, sondern Gott verantwortlich, für alles, was geschieht.

Fünftens, Kontextualisierer fordern, die Kultur nahezu vorbehaltlos in den Gottesdienst und die Nachfolge zu integrieren. Die Bibel indes sagt: „Passt euch nicht dieser Welt an“ (Rö 12,1-2). Christen sollen die Welt, und was in ihr ist, nicht lieben. Gewiss ist hier das rechte Maß gefragt zwischen Weltflucht und Weltsucht. Beides - weltflüchtig oder weltsüchtig zu sein - widerstrebt dem vollkommenen Willen Gottes. Kontextualisierer hingegen lassen allzu viele Schranken fallen und plädieren allzu oft für eine unreflektierte Akzeptanz der Kultur in ihren vielfältigen Aspekten.


Quellen:

1 Charles Kraft, “Guidelines for Developing Message Geared to Horizon of Receptivity”. 19. Februar 1974, Marseille, S.5,9: Transkript einer Vorlesung aus den Archiven des Billy Graham Center am Wheaton College, Collection 86, Box 27, Folder 28. Zitiert in: St Francis Magazine Nr. 1 Vol. III (June 2007), John Stringer, Contextualization: Transformational Trialogue, S.5-6.
2 Ebd., S.6.
3 David Zeidan, Muslim and Jewish Evangelism - comparing notes.
4 Ebd.
5 Ebd.

siehe auch:

Pakistanische Bibelgesellschaft: Offener Bruch mit SIL


Pakistan: Presbyterianer contra kontextualisierte Bibel

Bibelübersetzungen: Andere Worte für "Vater" und "Sohn"

Rudolf Ebertshäuser, "Muslimfreundliche" Bibelübertragungen verfälschen das Zeugnis von Jesus Christus als dem Sohn Gottes


Evangelische Kirche Nordhessen: Vier Grundformen der Ehe


Die Synode der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) hat eine neue Ordnung für kirchliche Eheschließungen verabschiedet...
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Freitag, 27. April 2012

TV-Pfarrer vergleicht Evangelikale und Salafiten


Im aktuellen "Wort zum Sonntag" hat ein katholischer Pfarrer evangelikale Gruppierungen mit Salafiten und Piusbrüdern gleichgesetzt. Anlass war die Koran-Verteilaktion des radikalen Predigers Abou Nagi. Die "Deutsche Evangelische Allianz" hat eine Programmbeschwerde eingereicht...

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USA: Pastor wegen körperlicher Züchtigung verurteilt


Der 54-jährige Philip Caminiti, Pastor der Aleitheia Bible Church in Wisconsin, wurde von dem zuständigen Gericht in Dane County des Kindesmissbrauchs schuldig befunden, weil er Schläge mit Holzstöcken schon bei zwei Monate alten Kindern befürwortete. Caminiti begründet dies mit der wörtlichen Auslegung der Bibel. Ihm drohen nun bis zu 6 Jahren Gefängnis mit einer anschließenden weiteren Überwachung, wenn das endgültige Urteil im Mai gesprochen wird.

Bereits im November 2010 schritt die Polizei ein, um Schläge an einem 5-jährigen Kind eines Gemeindemitglieds Caminitis zu unterbinden. Philip Caminiti selbst ist nicht angeklagt, die Schläge ausgeführt zu haben. Stattdessen hat er seine Gemeindemitglieder unterwiesen, ihre Kinder mit Kochlöffeln aus Holz zu züchtigen.


John Caminiti, Bruder von Philip Caminiti, war bereits 2011 zu einem Jahr Gefängnis und 8 Jahren Bewährung verurteilt worden, weil er seine Kinder geschlagen und ihnen laut Gericht mentalen Schaden zugefügt hatte. Weitere Personen der Familie Caminiti sind derzeit in ähnlichen Fällen angeklagt und erwarten ihre Verhandlungen.

In Kanada, wo es mittlerweile ein entsprechend strenges Vorgehen gegen bekennende Christen wie in den USA gibt, ist gegenüber Moslems allerdings ein milderer Umgang zu beobachten. Ein kontroverses Ehebuch des Autors Hazrat Maulana Ashraf Ali Thanvi, ein „profilierter Autor über nahezu alle islamischen Themen“, rät Ehemännern, ihre Frauen „mit Gewalt oder sogar Drohungen“ zu begegnen, wenn es notwendig wäre. Der Ehemann habe das Recht, seiner Frau vorzuschreiben, wann sie das Haus verlassen darf und wann nicht. Die Ehefrau darf „mit der Hand oder mit dem Stock“ geschlagen oder „an den Ohren gezogen“ werden. Lediglich „exzessive Schläge“ sollten vermieden werden. Das Buch wurde zwar aus dem betreffenden Sortiment des Buchladens entfernt, dennoch kann man es weiterhin über Ebay sowie Online-Buchläden beziehen. Tarek Fatah, Sprecher moderater Moslems, erklärte, dass der Buchhändler für den Verkauf eines derartigen Buches bestraft werden müsste.

Quellen:

Ed Treleven, Black Earth pastor found guilty in child abuse case.

Terry Davidson, Book tells Muslim men how to beat and control their wives.


Donnerstag, 26. April 2012

Der Hype um die "Hungerspiele"


Hollywood wirft ein neues Teenager-"Phänomen" auf den Markt. Teil eins der "Tribute von Panem" bricht in den USA Ticketrekorde. Aber worum geht es eigentlich?

den Artikel von Sophie Albers im STERN lesen: hier


Mittwoch, 25. April 2012

HIPSTER JESUS


Die Ausgabe von Newsweek vom 9. April 2012 zeigt auf dem Titelbild einen „hipster“ Jesus auf dem Times Square in New York City [Hipster: Vertreter einer progressiven, alternativen Subkultur; "hip" ist ein Begriff, der für cool und trendy steht]. Die Titelstory lautete Forget the Church: Follow Jesus (Vergiss die Kirche: Folge Jesus).


Genau dies tun die meisten Amerikaner; sie "lieben" Jesus, aber es ist der coole "Jesus", der niemanden verurteilt, der Party-Jesus aus dem Buch Die Hütte. Es ist der Jesus der Emerging Church: der Velvet Elvis-Jesus, der Blue Like Jazz-Jesus, der Barbarian Way-Jesus [Velvet Elvis, Blue Like Jazz, Barbarian Way sind Bücher bekannter Autoren der Emerging Church], der Jesus, der gerne Bier trinkt, der Rapper-Kumpel-Party Jesus.

Selbst wenn einige der Kirche nicht ganz den Rücken zugekehrt haben, handelt es sich bei den Kirchen, die sie besuchen nicht um Orte der Heiligkeit oder der nüchternen Gottesfurcht, die diese Generation anklagt. Es handelt sich um Orte, die „hip“ sind, wo gerockt wird und man sagen kann, wo die Popkultur endet und die „Kirche“ beginnt, und alle finden es cool.

Ich fürchte aber, es könnte womöglich, so wie die Schlange Eva verführte mit ihrer List, auch eure Gesinnung verdorben [und abgewandt] werden von der Einfalt gegenüber Christus. Denn wenn der, welcher [zu euch] kommt, einen anderen Jesus verkündigt, den wir nicht verkündigt haben, oder wenn ihr einen anderen Geist empfangt, den ihr nicht empfangen habt, oder ein anderes Evangelium, das ihr nicht angenommen habt, so habt ihr das gut ertragen.

2Korinther 11,3-4


Quelle: Way of Life, Friday Church News Notes, 6. April 2012.


zum Artikel Christianity in Crisis von Andrew Sullivan: hier

Befreunde dich doch mit Ihm und mache Frieden!


Biblische Betrachtungen über Hiob 22,21-30

Ernst Moderson


„Befreunde dich doch mit Ihm und mache Frieden! Dadurch wird dir Gutes kommen. Nimm doch Belehrung an aus Seinem Mund, und lege Seine Worte in dein Herz! Wenn du dich zu dem Allmächtigen bekehrst, so wirst du aufgerichtet werden, wenn du die Ungerechtigkeit aus deiner Hütte entfernst. Wirf das Gold in den Staub und das ophirische Gold zu den Steinen der Bäche, so wird der Allmächtige dein Gold und dein glänzendes Silber sein! Denn dann wirst du dich an dem Allmächtigen ergötzen und zu Gott dein Angesicht erheben; du wirst zu Ihm fliehen, und Er wird dich erhören, und du wirst deine Gelübde bezahlen. Was du dir vornimmst, das wird dir gelingen, und ein Licht wird auf deinen Wegen leuchten. Führen sie abwärts, so wirst du sagen: Es geht empor! Und wer die Augen niederschlägt, den wird Er retten. Er wird den freilassen, der nicht unschuldig ist; durch die Reinheit deiner Hände wird er entrinnen.“

Hiob 22,21-30 (Miniaturbibel)

Was für wunderbare Verheißungen enthält dieser Abschnitt aus Hiob 22!„Du wirst zu Ihm flehen, und Er wird dich erhören“ – wer möchte nicht gern, daß es so in seinem Leben gehen möchte? Wer möchte nicht, daß sein Leben so eine Kette von Gebetserhörungen wäre? Und wenn es weiter heißt: „Was du vornimmst, das wird dir gelingen“ – wer möchte nicht gern, daß das Wahrheit wäre in seinem Leben?Nicht wahr, wenn sich das erfüllt, daß der Herr alle Gebete erhört, daß Er zu allem Vorhaben Gelingen und Gedeihen schenkt, das ist ein glückliches Leben!Ja, aber dürfen wir denn diese Worte uns zu eigen machen? Dürfen wir diese Versprechungen denn als Verheißungen Gottes in Besitz nehmen? Es sind doch Worte, die Eliphas von Theman zu Hiob gesprochen hat?Gewiß sind es Worte, die Eliphas gesprochen hat. Und er ist dabei von einer ganz falschen Voraussetzung ausgegangen. Er hat sich in bezug auf die innere Stellung Hiobs und den Grund seines Leidens geirrt. Er meint: Hiob sei unbekehrt, er habe sein Leben noch nicht in Ordnung gebracht vor Gott. Darum zeigt er ihm den Weg zum Glück; er zeigt ihm, was er zu tun hat, um mit Gott in Ordnung zu kommen, und wie sein Leben ein gottgesegnetes werden kann.

Für Hiob passten diese Worte nicht, da er schon, was Eliphas nicht wußte, mit Gott in Verbindung war. Aber für uns passen sie. In ganz wunderbarer Weise hat hier Eliphas den Weg zu einem glücklichen, gesegneten Leben geschildert. Der ganze Heilsweg, vom Anfang bis zum Ende, wird dargestellt.Dazu kommt, daß kein Ausspruch in diesem Abschnitt ist, der nicht mit andern Stellen der Heiligen Schrift übereinstimmte und der sich nicht an vielen andern Stellen auch fände.Als ich vor Jahren beim Bibellesen auf diesen Abschnitt stieß, machte er tiefen Eindruck auf mich. Er sprach ganz besonders zu meinem Herzen. Darum habe ich später über diesen Abschnitt Bibelstunden gehalten, und Gott hat sich so dazu bekannt, daß ich mich entschloß, sie niederzuschreiben, um auch andern den „Weg zum Glück“ zu zeigen.Wenn’s auch Worte von Eliphas sind, und wenn er sich in bezug auf Hiobs Stellung zu Gott auch irrt, - den Weg zu einem glückseligen Leben hat er klar und richtig und umfassend geschildert. So dürfen wir diese Worte wohl für uns in Anspruch nehmen und uns durch dieselben den Weg zum Glück zeigen lassen.

Es ist aber mit diesem Abschnitt so, wie auch sonst mit Worten der Schrift: die Erfüllung der Verheißungen ist an bestimmte Bedingungen geknüpft. Es heißt hier ganz deutlich und bestimmt: „Wenn - - dann!“ Nur wenn diese Bedingungen erfüllt werden, erfüllt Gott auch seine Verheißungen. Aber wenn diese Bedingungen unsererseits erfüllt werden, dann erfüllt Er auch ganz bestimmt Seine Verheißungen.„Ja, ich glaub: Gott hält Sein Wort;ja, ich weiß: Gott hält sein Wort;ganz gewiß: Gott hält sein Wort;Ehre sei dem Herrn!“Nun, so wollen wir uns denn den Weg zum Glück zeigen lassen. Aber das genügt nicht, den Weg nur zu wissen, man muß ihn auch gehen. Möchten diese Betrachtungen dazu gesegnet werden, daß manche durch dieselben den Weg zu einem gesegneten Leben finden, den Weg zum Glück."

Ein kurzer Auszug aus dem Büchlein Der Weg zum Glück von Ernst Modersohn.

zu beziehen beim Christlichen Versandantiquariat - Roman & Elisabet Ingold-González: hier

Dienstag, 24. April 2012

Christsein gestern und heute

Persönliche Eindrücke eines alten Mannes. 

Der Saal war überfüllt. Einige junge Leute saßen auf dem Fußboden, auf dem Kachelofen, auf den Fensterbrettern und lauschten dem Evangelium. In dieser Nachkriegszeit war der Hunger nach Gottes Wort groß. Am dritten Abend dieser Evangelisation im Jahr 1950 tat mir Gott das Herz auf und ich kam zum Glauben an Jesus Christus. Bis heute ist die Landeskirchliche Gemeinschaft meine geistliche Heimat. Ich habe dort viele Brüder und Schwestern gefunden und habe mich auf vielfältige Weise eingebracht und mitgearbeitet. Es gab Höhen und Tiefen im Glaubensleben, aber der feste und bleibende Grund waren der Herr Jesus Christus und Gottes Wort, die Bibel. Wenn ich rückblickend Vergleiche zwischen Vergangenheit und Gegenwart ziehe, möchte ich keinesfalls den Eindruck erwecken, daß früher alles gut war und heute alles schlecht ist. Die Gefahr besteht, weil man als alter Mensch ja leicht dazu neigt, die Vergangenheit durch den goldenen Rahmen der Erinnerung zu sehen. Alle Zeit ist Gottes Zeit und jede Zeit hat ihre Stärken und ihre Schwächen. Starr an (unbiblischen) Traditionen festhalten und Veränderungen um jeden Preis sind gleichgroße Fehler. Ein Sprichwort sagt: „Man soll den Ochsen, mit dem man jahrelang geackert hat, nicht schlachten, bevor man ein Pferd, geschweige denn einen Traktor hat.“ Und Spurgeon meinte: „Die Menschen wollen gern das Alte drangeben und etwas Neues haben. Aber für gewöhnlich hat sich in der Theologie herausgestellt, daß das Wahre nicht neu und das Neue nicht wahr ist.“ Mein Eindruck ist, man wirft heute gute Traditionen leichtfertig weg. Neuerungen, wenn sie nötig und biblisch sind, Ja! Aber nicht um jeden Preis, vor allem nicht um den Preis der Zerstörung von Gemeinden. Es ist fatal, zu glauben, daß das Christentum in der Gegenwart bei Punkt Null von vorn beginnt, und die Väter im Glauben vergessen werden können.

Im Rückblick erscheinen die 50er Jahre aus heutiger Sicht von einer viel zu engen Auffassung von Heiligung und Glaubensleben gekennzeichnet zu sein. Damals standen die sogenannten „Mitteldinge“ im Blickpunkt. Ein Christ sollte sich klar von der Welt unterscheiden: nicht rauchen, nicht ins Kino oder ins Theater gehen, nicht tanzen, nicht Karten spielen, keinen Alkohol trinken, sich von weltlichen Vergnügungen fern halten. Ernst Modersohn (1870 bis1948) fragte sogar, ob es für bekehrte Christen zuträglich ist, Kirchenkonzerte zu besuchen, bei denen unbekehrte Künstler geistliche Texte singen. Er warnte: „Der Geist der Oberflächlichkeit und der Weltlichkeit dringt in der Endzeit anscheinend bis in die entschiedensten Kreise der Gläubigen vor und beeinflusst sie.“ Was würde er heute sagen? 

Diese Haltung von damals, die sich zugegeben teilweise am Rande der Gesetzlichkeit bewegte, hat mir persönlich in meinem Glaubensleben nicht geschadet. Ich wusste, daß mein Heil allein aus Gnade durch Jesus Christus in seinem Tod am Kreuz begründet war und ich wollte aus Dankbarkeit dafür dem Evangelium gemäß leben.

Heute belächelt und verspottet man diese damalige „strenge Sichtweise“, man vertritt eher die gegenteilige Meinung. Man glaubt, ein Christ müsse sich der Welt so weit wie möglich angleichen, um viele für den Glauben zu gewinnen. In den 60er Jahren stand in der Gemeinschaftsbewegung, jedenfalls soweit ich das in meinem Umfeld erlebt habe, die Bibel, das Wort Gottes, als höchste Autorität im Mittelpunkt aller Aktivitäten. An der Bibel wurde alles gemessen. Ich erinnere mich noch gut, als die Thesen Rudolf Bultmanns in Gemeinschaftskreisen bekannt wurden, daß ein Aufschrei durch die bibeltreuen Gemeinschaften ging. Der Brüderrat bei uns in Haßlau wandte sich an den Landesverband des Sächsischen Gemeinschaftswerkes und forderte eine Stellungnahme der leitenden Brüder an. Es kam zu einem Besuch des damaligen Inspektors Johannes Herbeholz, der die Sachlage mit den Brüdern unserer Gemeinschaft erörterte und den Standpunkt des Landesverbandes darlegte. Mein Eindruck: Was damals die Gemüter erregte, würde heute kaum jemanden interessieren. Die Bibel hat auch im Gnadauer Verband an Autorität verloren. Man lebt und baut Gemeinde nach Prinzipien, die sich nicht im Wort Gottes finden. 

Die „historisch-kritische“ Auslegung der Bibel, die an allen staatlichen Ausbildungsstätten obligatorisch ist und die daraus folgende Relativierung des Wortes Gottes hat ihr zerstörerisches Werk getan und findet, wenn auch in gemäßigter Form, selbst in bibeltreuen Gemeinden immer mehr Zuspruch. In den ersten 20 Jahren meines Glaubenslebens war das Vertrauen in die Bibel normal und gehörte ganz selbstverständlich zu einem Leben als Christ. Heute ist man mit dieser Einstellung ein Fundamentalist, ein Extremist, ein Wortterrorist, ein Ewig-Gestriger, ein Betonkopf. Es hat ein Wandel stattgefunden, eine Veränderung, weg vom Evangelium, weg vom Wort Gottes, weg von Jesus Christus. 

Die Reformatoren, die das Wort Gottes wieder neu auf den Leuchter gestellt haben, wußten noch um die Autorität und Irrtumslosigkeit der Bibel. Martin Luther sagte: „Darum halten wir billig unsere liebe heilige Bibel für einen sehr teuren und hohen Schatz…An einem Buchstaben, ja an einem einzigen Tüttel der Schrift ist mehr und größer gelegen denn an Himmel und Erde…Welche die Heilige Schrift nicht haben, die leben in Irrtum, Blindheit und gottlosem Wesen ohne alle Maße und Ende…Gottes Wort allein ist der rechte beständige Fels, da man gewiß drauf fußen kann…Ich will für mich nur Gottes Wort haben und frage nach keinem Wunderzeichen, begehre auch keines Gesichtes, will auch nicht einem Engel glauben, der mich anderes lehret denn Gottes Wort. Ich glaube allein Gottes Wort und Werken, denn Gottes Wort ist von Anfang der Welt gewiß gewesen und hat niemals gefehlt….Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt; aber das Wort unseres Gottes bleibt ewiglich. Das ist ein tröstlicher Spruch, den man an alle Wände schreiben sollte. Das Wort des Herrn wird allein bleiben; was über und außer dem Worte Gottes ist, das wird wie eine Blume auf dem Felde vergehen.“

Die Bibel ist die Richtschnur unseres Lebens. Es geht um die Bibel. Und wenn heute manche behaupten, die Bibel sei zweitrangig, es gehe nicht um die Bibel, es gehe um Jesus, dann muß gefragt werden: Um welchen Jesus? Es geht um den Jesus Christus der Bibel, nicht um irgendeinen Christus. Wir kennen nur den Jesus Christus der Bibel. Die Bibel ist Gottes Wort! Das Wort Gottes ist ja zuletzt Jesus Christus selber. Wir müssen uns dagegen wehren, wenn man einen Keil zwischen Jesus Christus und die Bibel treiben will. „Das Wort war bei Gott und Gott war das Wort“ ( Joh. 1 ). „Wenn dein Wort nicht mehr soll gelten, worauf soll der Glaube ruhn? Mir ist nicht um tausend Welten, aber um dein Wort zu tun.“ Dem wird wohl kaum ein gläubiger Christ widersprechen. Leider ist unsere Haltung in der Praxis oft nicht so klar und eindeutig. Oft hat Gottes Wort bei uns nicht den Stellenwert und die Autorität, die ihm zukommt. Diese Erfahrung muß ich leider immer wieder machen, ich möchte das anhand einiger Beispiele aus Bibelgesprächsstunden deutlich machen. Es handelt sich um eine Auswahl von vielen Thesen, die mir begegnet sind und die ich unkommentiert wiedergebe. Jeder kann selbst mit der Bibel in der Hand prüfen, ob es sich so verhält.

„Am Anfang jeden Christenlebens muß ein Traum, eine Vision stehen. Unsere Gemeinden wachsen nicht mehr, wir müssen was dagegen tun. Wir müssen Freundschaften mit Ungläubigen schließen, anstatt uns viermal in der Woche in der Gemeinde zu treffen. Wir müssen unsere Gemeinden grundlegend verändern. Wir dürfen nicht am Alten hängen, sondern müssen dynamisch sein. Wir müssen zuerst unseren Hintern bewegen, dann wirkt Gott. Es liegt allein an uns, ob Menschen Christen werden oder nicht.“

„Gott hat keine Hände als unsere Hände, keine Füße als unsere Füße, keinen Mund als unseren Mund.“

„Glauben an den Herrn Jesus Christus genügt nicht zur Errettung. Man muß zusätzlich auch seinen Schuldigern vergeben, siehe das „Vater unser“ und das Gleichnis vom Schalksknecht.“

„Die Frauen am Ostermorgen waren die ersten, die von Jesus den Auftrag erhielten, den Jüngern von der Auferstehung zu berichten. Trotzdem gibt es heute Christen, die behaupten, die Frau solle in der Gemeinde schweigen! Dabei haben sie von Jesus selber die Vollmacht zum Predigen bekommen! Ich kenne solche Christen, die Frauen als Gemeindeleiter ablehnen und ich bete für sie, daß sie ihre irrige Ansicht von der Bibel korrigieren lassen.“ 

„Wir müssen als „Salz der Erde“ den Ungläubigen das Evangelium schmackhaft machen.“

„Jeder Mensch ist ein Kind Gottes. Wir sind in Gottes Augen gerecht. Wir sind wertvoll und unverwechselbar. Wir müssen nur auf sein großes Ja unser kleines Amen sprechen.“

„Wenn Jesus gesagt hat, betet nicht in der Öffentlichkeit, um von den Leuten gesehen zu werden, dann mag das vielleicht zur Zeit Jesu gestimmt haben. Das gilt in der heutigen Zeit nicht, denn heute gehört Mut dazu, in der Öffentlichkeit zu beten.“

„Die Reihenfolge der vier Säulen der Gemeinde Jesu in Apostelgeschichte 2,42 ist nicht richtig und müßte umgestellt werden. Nicht die Lehre der Apostel, sondern das Gebet gehört an die erste Stelle.“

„Wer sich kritisch zur Gemeindearbeit äußert, ist dem von Jesus verbotenen Richtgeist verfallen. Es ist falsch, Fliegen in der Suppe zu suchen. Man muß das Unkraut wuchern lassen, weil sonst womöglich der Weizen mit ausgerissen wird.“

„Lieber gar nichts sagen als etwas Kritisches, egal ob es gerechtfertigt ist oder nicht. Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. Gott selber will für uns streiten, wir sollen stille sein und uns einfach heraushalten.“

„Die Bibel ist nur toter Buchstabe, nur wenn sie der Geist Gottes lebendig macht, wird sie zum Wort Gottes.“

„Wer behauptet, Gott habe die Welt in sechs Tagen erschaffen, benutzt die Bibel als Instrument, andere zu erschlagen. Bei Gott sind 1000 Jahre ein Tag!“ 


„Wissenschaftler haben festgestellt, daß sich unter der Gegend von Sodom und Gomorrha Erdgasvorkommen befinden, die sich entzündet haben könnten und die beiden Städte vernichteten. Im Widerspruch dazu behauptet die Bibel, es sei Feuer vom Himmel gefallen.“

„Das Alte Testament hat für heutige Christen keine Bedeutung, es ist nur für historisch Interessierte gedacht. Auch die Evangelien hatten nur für die damalige Zeit den Jüngern etwas zu sagen. Wir können uns heute allein auf die Paulusbriefe beschränken, sie enthalten alles, was für Christen nötig ist.“

„Man darf den Leuten das Evangelium nicht so direkt sagen, das ist hochmütig und nicht diplomatisch. Es ist unfair, die Leute einfach vor eine Entscheidung zu stellen.“ Mir fällt auf, daß in unseren Bibelgesprächsstunden nach dem Lesen des Bibeltextes sofort gefragt wird: Was sagt dieser Text mir? Worüber kann ich mich freuen? Was gefällt mir nicht? Was macht mich betroffen? usw. Nicht die Fragen sind falsch, aber zuerst muß gefragt werden: „Was sagt der Text?“, und erst dann kann gefragt werden: „Was bedeutet das für mich?“ Wir werfen uns zum Richter über den Text auf und machen unser subjektives Empfinden zum Maßstab. Dann dreht sich im Gespräch alles um die eigenen Befindlichkeiten. Dem einen bedeutet der Text dies, dem anderen das Gegenteil und dem dritten wieder etwas anderes. Am Ende bleiben im besten Fall Ratlosigkeit und Unklarheit. Die biblische Lehre bleibt auf der Strecke.

 Auch die Glaubenskonferenzen und Großveranstaltungen haben sich deutlich verändert. Die bibelorientierten Glaubenskonferenzen sind „verstaubt“, heute muß alles Spaß machen. Man merkt, daß auch die Christen wesentlich von den Medien, vor allem vom Fernsehen geprägt werden. Statt Lehre der Schrift macht sich immer mehr Leere breit, die von Aktionen und Rahmenprogrammen überdeckt werden soll. Man will die Leute damit unterhalten, daß man die Welt in die Gemeinde holt. Ich glaube, wir sollten einmal darüber nachdenken, ob unsere Konferenzen und Kongresse wirklich dem Herrn Jesus gefallen können oder ob da ein „christlicher Starkult“ gefördert wird. Mein Eindruck ist, daß sich der Mensch in den Mittelpunkt schiebt und Ehre sucht, die eigentlich dem Herrn gebührt. Ein unbehagliches Gefühl beschleicht mich auch immer, wenn auf christlichen Veranstaltungen nach jeder Darbietung Beifall geklatscht wird, oft auch nach der Wortverkündigung. Gilt dieser Beifall Menschen oder Gott? Wir müßten uns wieder auf das Wesentliche des christlichen Glaubens besinnen. Wenn nach einer Konferenz das Fazit heißt: „Selten so gelacht!“, dann ist etwas grundlegend verkehrt. Manchmal ist weniger mehr. Eine gute Technik ersetzt nicht den Heiligen Geist.

Es ergeben sich einige Fragen an unsere heutige Gemeindesituation. Hat die Bibel noch die höchste Autorität? Sind die Besucher nur zufrieden, wenn lockere Unterhaltung geboten wird? Sind wir noch überzeugt, daß die Predigt des Wortes Gottes auch heute das Mittel ist, durch das Gott wirkt, oder drängen wir es an den Rand? Nur das Wort hat die biblische Verheißung, Glauben zu wirken. Wenn wir das Evangelium durch allerlei Unterhaltung verschlechtern, machen wir es unverständlicher. Hat in unseren Gemeinden die Bibel Autorität und Priorität? Steht Jesus Christus im Mittelpunkt? Orientiert sich unsere Gemeindearbeit an den gesunden biblischen Richtlinien oder setzen wir auf weltliche Strategien? Biedern wir uns den Leuten an oder verkündigen wir das Ärgernis des Kreuzes? Haben wir den Mut, klare Aussagen zu machen, oder hängen wir den Mantel nach dem Wind? Heute gebraucht man oft für Ungläubige den Begriff „Kirchendistanzierte“. Aber aus Sicht der Bibel besteht das Problem des Menschen nicht darin, daß er kirchendistanziert ist. Er ist ein Sünder, er ist verloren und braucht Rettung. Sagen wir das noch klar und deutlich? Die Frage bei der Verkündigung lautet heute immer weniger: „Was lehrt die Bibel? Was will Gott dem Menschen sagen?“, sondern „Was kommt an? Was möchte der Mensch hören?“ Die Predigt über die ernste Seite des Christseins ärgert die Leute. Sie ist zu direkt. Man möchte die Wahrheit so verpacken, daß sie unterhaltend wirkt und Spaß macht. Der Apostel Paulus befahl dem Timotheus, das Wort zu predigen, ohne Abstriche und ohne Zugeständnisse an den Zeitgeist. Paulus verliert kein Wort darüber, wie die Leute reagieren werden, ob sie zustimmen werden oder ob sie verärgert sind. Die Aufgabe des Predigers ist, die Schrift zu verkündigen, und zwar so, daß man sie versteht. „Predige das Wort!“ Das ist nicht immer einfach. Die uns aufgetragene Botschaft ist oftmals ziemlich anstößig. Jesus Christus selbst ist ein Stein des Anstoßes. Das erlaubt uns aber nicht, die Botschaft zu verwässern. Der ganze Ratschluß Gottes muß verkündigt werden, selbst auf die Gefahr hin, daß sich einige ärgern. Das ist weder Lieblosigkeit noch Hochmut des Verkündigers. Wird nicht gerade die Liebe versuchen, vor einer falschen unbiblischen Scheinsicherheit zu warnen?

Mein Eindruck ist, daß die Menschen wohl Gott haben möchten, aber nicht in ihrem Lebensstil gestört werden wollen. Darum gefällt ihnen auch niemand, der Klartext redet. Sie wollen Prediger, die ihnen sagen, was sie hören wollen. Und was wollen sie hören? Was ihre Ohren kitzelt und was sie mit sich selbst zufrieden sein läßt. Sie wollen sich nichts sagen lassen, wollen unterhalten werden. Sie wünschen sich eine Predigt, die in ihnen angenehme Gefühle weckt. Sie wollen sich wohlfühlen. Sie erwarten freundliches Geplauder, dem sie allezeit zustimmen können. Biblische Ermahnung wird abgelehnt und als „gesetzlich“ zurückgewiesen.

Christsein gestern und heute – ist heute im geistlichen Sinn alles besser als vor 50 Jahren? Beurteilen wir die Bibel, oder lassen wir zu, daß die Bibel uns beurteilt? Ist die Bibel für uns Gottes Wort, oder sagen wir, sie enthält nur Gottes Wort? Sind wir so vermessen, uns zum Richter über das Wort Gottes aufzuwerfen? Halten wir das Bibelwort für relativ, fehlerhaft und korrekturbedürftig? Oder ist es uns „Pfeiler und Grundfeste der Wahrheit“? (1. Tim. 3,15) Bitten wir unseren Herrn, daß er uns ein festes Herz schenkt, damit wir bereit werden, mutig für Gottes heilige Wahrheit einzutreten. Bei allen Gefahren und trotz vieler Verführungen in der Endzeit bin ich getrost. Die wahre Gemeinde Jesu, die auf Gottes Wort gegründet ist, hat eine herrliche Zukunft. Keine Macht der Finsternis wird sie überwältigen, weil der Herr Jesus Christus selbst ihr zur Seite steht. 

Mit freundlicher Genehmigung von Rolf Müller 


Drängt uns der Feind auch um und um, wir lassen uns nicht grauen: Du wirst aus deinem Heiligtum schon unsre Not erschauen. Fort schreiten wir in deiner Hut und widerstehen bis aufs Blut und wollen dir nur trauen. Herr, du bist Gott! In deine Hand o laß getrost uns fallen! Wie du geholfen unserm Land, so hilfst du fort noch allen, die dir vertraun und deinem Bund und freudig dir von Herzensgrund ihr Loblied lassen schallen. 
(Friedrich Oser) 

Ein einziger Tropfen der unverdünnten Tinktur des Wortes Gottes ist besser als ein See von Erklärungen und Predigten. 
(Charles Spurgeon) 

Wer das scharfe Wort Gottes in Watte packt, weil er sich nicht unbeliebt machen möchte, hat die Botschaft verfälscht und sich der Falschmünzerei schuldig gemacht. 
(Hans Dannenbaum) 

 Die Menschen lehnen die Bibel nicht ab, weil sie sich selbst widerspricht, sondern weil sie dem Menschen widerspricht.

(Werner Gitt) 

Wer keinen Kalk hat, mauert mit Dreck. Wer nicht die Heilige Schrift hat, muß sich mit seinen eigenen Gedanken begnügen. 
(Martin Luther) 

Es reicht nicht aus, die Klugheit der Bibel mit der Schlauheit der Welt zu mischen. 
(Thomas Giudici) 

Die Heilige Schrift und klare Vernunftgründe müssen sich keineswegs widersprechen, wie schlecht geschulte Theologen gelegentlich fürchten. 
(Bernhard Vogel) 

Der Himmel und die Erde werden vergehen, meine Worte aber werden nicht vergehen. 
(Lukas 21,33) 

Das Wort Gottes ist lebendig und wirksam und schärfer als jedes zweischneidige Schwert. 
(Hebräer 4,12) 


Montag, 23. April 2012

Erdbebenexperte: „...nicht so einfach erklärbar“ 

Gheorghe Marmureanu, Erdbebenexperte vom rumänischen Nationalen Institut für Geophysik, teilte mit, dass die Erde von 39 Erdbeben, teilweise sehr massive Beben, innerhalb von zwei Tagen erschüttert wurde. Indonesien wurde im April 2012 von zwei Beben der Stärke 8.6 und 8.2 der Richterskala erschüttert. Es gibt keinen Zweifel, dass es ernsthafte Probleme gibt. Es hat zu viele starke Erdbeben gegeben... Die Erdbeben sind eine Überraschung, die auf der Grundlage der gegenwärtigen wissenschaftlichen Erkenntnisse nicht so einfach erklärt werden können. Indonesien zum Beispiel, sollte statistisch ein großes Erdbeben alle 500 Jahre erleben. Doch seit 2004 gab es bereits drei Beben, welche die Stärke von 8 überschritten haben, was nicht normal ist“, so Marmureanu. 


siehe auch: Live Earthquakes Map 

Barroso: „Zeit für dynamische Konsolidierung“ 

Sich auf die Globalisierung vorzubereiten bedeutet ferner, die Mittel zu schaffen, um sie zu beeinflussen. Mit ihrem einzigartigen Modell ökonomischer und politischer Integration, aber auch mit ihren Werten, ist Europa gut gerüstet, ihre Rolle in der entstehenden neuen Weltordnung wahrzunehmen... Tatsächlich ist die Zustimmung der EU-Bürger zu Europa auf dem höchsten Stand seit 1994! Wir müssen jetzt diese Dynamik konsolidieren. Ich glaube an die ehrgeizige Strategie eines starken Europas. In dieser Zeit brauchen wir mehr denn je ein starkes Europa. Darunter verstehe ich ein geeintes Europa – von großen und kleinen, zentralen und an der Peripherie gelegenen, reichen und armen Mitgliedsstaaten. Wir brauchen ein Europa der Solidarität. Ein Europa, das den Willen hat zu handeln. Ein Europa, das als Führer auftritt.

 José Manuel Barroso, Präsident der Europäischen Kommission, Rede in Ghent, Europe – the Time has come for dynamic consolidation, 30. Januar 2008. 


Freitag, 20. April 2012

John MacArthur: Der wahre Gläubige liebt Gottes Wort


Gleichgültigkeit gegenüber der Schrift ist ein Zeichen für geistlichen Tod

Wahr in Bezug auf den wahrhaften Gläubigen ist, dass er das Wort Gottes liebt. Ein wahrer Christ liebt das Wort Gottes. Im Neuen Testament finden wir das wieder und wieder wie beispielsweise in den Worten unseres Herrn Jesus Christus im 8. Kapitel des Johannesevangeliums, wo er in Vers 31 sagt: "Wenn ihr in meinen Worten bleibt, wenn ihr euren Ruheort ... in meinem Wort findet, dann seid ihr wahrhaft meine Jünger." Echte, wahre Jünger bleiben im Wort, weil es ihre einzige geistliche Nahrung ist... Wahre Gläubige wissen, dass es das Wort Gottes ist und das Wort Gottes allein, das sie am Leben erhält, sie stark macht, Segen hervorbringt und Freude und Kraft und Stärke und Frucht....

Gleichgültigkeit gegenüber dem Wort ist nicht ein Zeichen der Wiedergeburt. Gleichgültigkeit der Schrift gegenüber ist nicht ein Zeichen für Errettung. Gleichgültigkeit gegenüber der Schrift ist ein Zeichen für geistlichen Tod. Und ich glaube in allen Generationen, einschließlich dieser, ist Gottes wahre Gemeinde, die wahrhaft Erlösten, äußerst hungrig nach der Wahrheit. Sie wollen mit Gottes Wort genährt werden, sie wollen, dass ihnen Gottes Wort gelehrt wird, sie wollen, dass ihnen Gottes Wort verkündet wird, sie wollen, dass ihnen Gottes Wort erklärt wird in all seinem Reichtum und all seiner Tiefe. Aber meistens bekommen sie das leider nicht. Ein ernsthaftes Studium von Gottes Wort, das fleißige, eiserne Arbeiten in den Texten der Schrift in den ursprünglichen Sprachen und das Erkennen der Analogie der Schrift*, wie sie sich selbst in den 66 Büchern der Bibel erklärt, der Fleiß, der hierfür notwendig ist, um aus dem reichen Schatz der Schrift zu schöpfen, ist nicht gerade das wichtigste Anliegen der meisten populären Persönlichkeiten in der Christenheit.

Quelle: Why We Believe the Bible is True. (mp3 Botschaft)


*Dieses Prinzip ist das, was die Reformatoren die analogia scriptura (Analogie der Schrift) nannten. Es bedeutet, dass die Bibel sich nicht selber widerspricht. Wenn wir zu einer Auslegung einer Schriftstelle gelangen, die einer Wahrheit widerspricht, die an anderer Stelle der Schrift gelehrt wird, muss unsere Auslegung falsch sein. Schrift muss mit Schrift verglichen werden, um ihre volle Bedeutung zu entdecken.


Warum so wenige Ostdeutsche an einen Gott glauben


Nirgends auf der Welt glauben so wenige Menschen an Gott wie in Ostdeutschland. Auch bei der nicht mehr in der DDR aufgewachsenen Generation ist der Atheismus weit verbreitet.

...den Artikel von Matthias Kamann lesen: hier


Stiftung Weltethos


Küng macht Köhler zu seinem Nachfolger


Hans Küng hat die Stiftung Weltethos gegründet und über Jahre geprägt. Bald wird der Theologe und Papstkritiker 85 Jahre alt. Zeit, seine Nachfolge zu regeln. Überraschend verkündete er seinen Kandidaten: den früheren Bundespräsidenten Horst Köhler...

...weiterlesen: hier


Dienstag, 17. April 2012

Religionsunterricht erweitert um das Fach Heidentum


Die Stadt Cornwall in Südwestengland hat ihre öffentlichen Schulen angewiesen, das Fach "Heidentum" in den Religionsunterricht zu integrieren. Hexentum, Druidentum sowie die Anbetung alter keltischer Götter wie Thor steht von nun an neben Christentum, Judentum und Islam auf dem Lehrplan.

Ab dem fünften Lebensjahr sollen die Kinder über heilige Steine wie Stonehenge unterrichtet werden. Ab dem 11. Lebensjahr sollen die Schüler mehr über das “moderne Heidentum und seine Bedeutung” erfahren. Die Volkszählung aus dem Jahr 2001 ergab, dass es etwa 40000 praktizierende Heiden in England und Wales gibt, obgleich die tatsächliche Zahl weitaus höher sein dürfte.

Jonathan Petre, And after double maths it will be... paganism: Schools told to put witchcraft and druids on RE syllabus.


Montag, 16. April 2012

Es gibt nichts Neues in der Theologie ausgenommen das, was falsch ist


Auf Zeltmacher erschien eine Rezension zu D. A. Carsons Buch über die Emerging Church. Darin heißt es unter anderem:

Eine neue Kirche entsteht, die „Emerging Church.“ Vielleicht haben Sie schon davon gehört, vielleicht haben Sie im Internet ihr Logo entdeckt oder Sie sind – wie auch wir – bereits vor dieser neuen Strömung gewarnt worden. Wer das Schlagwort nicht so richtig einzuordnen weiß mag sich auch auf D.A. Carson verlassen. Wenn er sich dieses Themas annimmt, dann muss es von Bedeutung sein. Und seine Analyse ist fair und kompetent.


Eine große Gefahr im Umgang mit der „Emerging Church“ liegt darin, dass sie sehr vielschichtig und nicht so richtig greifbar ist. Sie ist schwer zu definieren, ihre Kennzeichen sind schwer hervorzuheben und gerade das ist paradoxerweise sogar Teil ihres Wesens. Carsons Ansatz ist deshalb lobenswert, weil er sich intensiv mit dem Thema auseinandersetzt und auch die positiven Aspekte findet und diese im ersten Teil seines Buches deutlich herausstellt. Gefährlich wird es, wenn jede falsche Praxis oder Irrlehre unter dem einen Dach „Emerging Church“ gesammelt und dabei auch jeder noch so richtige Ansatz bereits im Keim erstickt wird, nur weil er im gleichen kritischen Zusammenhang gesehen, beurteilt und folglich abgelehnt wird...

...die gesamte Rezension zu D. A. Carsons Buch Emerging Church - Abschied von der biblischen Lehre lesen: hier


Über das Nachsinnen


Larry DeBruyn


Lass dieses Buch des Gesetzes nicht von deinem Mund weichen, sondern forsche darin Tag und Nacht, damit du darauf achtest, alles zu befolgen, was darin geschrieben steht; denn dann wirst du Gelingen haben auf deinen Wegen, und dann wirst du weise handeln!

Josua 1,8


In Richard Fosters Buch Life with God beschreibt er Spirituelle Übungen als Aktivitäten, die Christen praktizieren, damit sie zu athletae dei, Athleten Gottes, werden. Foster zählt eine Reihe von Übungen auf wie „Fasten und Gebet, Studium und Dienst, Unterordnung und Einsamkeit, Bekenntnis und Anbetung, Meditation und Stille.“1 Beachten Sie die Verbindung, die der Autor zwischen Meditation und Stille herstellt, so als ob das eine mit dem anderen gleichbedeutend wäre – oberflächlich betrachtet scheinen die beiden Begriffe das zu sein. Aber sind sie es auch aus biblischer Sicht?

Um diese Frage zu beantworten, müssen wir uns dem Alten Testament zuwenden, insbesondere dem Buch der Psalmen, wo das Nachsinnen als ein Weg zu einem guten Leben, sowohl geistlich wie materiell, dargestellt wird. Zum Beispiel, im ersten Psalm heißt es: „Wohl dem, der … seine Lust hat am Gesetz des HERRN und über sein Gesetz nachsinnt Tag und Nacht … und alles, was er tut, gerät wohl“ (Ps 1,1-3; 119,15; 119,23). In diesem Psalm erscheint das Nachsinnen ein so wichtiges Mittel, um von Gott gesegnet zu werden, dass ein Verständis aus biblischer Sicht angebracht wäre, um was es sich bei dieser Aktivität handelt und welchen Bezug sie zur Stille hat, wenn sie überhaupt einen Bezug dazu hat.

Das Wort „nachsinnen“ (hebr., haga) erscheint ca. 25 Mal im Alten Testament. Obgleich die Praxis des Nachsinnens im Neuen Testament nicht in gleicher Weise wie im Alten Testament empfohlen wird, ermutigt der Apostel Paulus die Gläubigen dazu, über die positiven Werte des Lebens „nachzudenken“, über das, „was wahrhaftig, was ehrbar, was gerecht, was rein, was liebenswert, was wohllautend, was irgendeine Tugend oder etwas Lobenswertes ist“ (Phil 4,8). Bei der Form des Nachsinnens im Alten Testament war das Gesetz Gottes ein wichtiger Bestandteil, denn es definierte die Bedingungen von Gottes Beziehung zu und seiner Gegenwart unter Gottes Volk. Zum Beispiel, nachdem David das göttliche Gesetz gebrochen hatte, flehte er zu Gott: „Verwirf mich nicht von deinem Angesicht, und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir“ (Ps 51,13). Die Nation Israel trat in eine geistliche Gemeinschaft mit Gott durch das Nachsinnen über Gottes Gesetz ein, was zu Gehorsam gegenüber dem Gesetz führen sollte, damit der göttliche Segen auf das Leben eines Gläubigen kommen konnte.

Aus diesem Grund ermunterten die Psalmisten dazu, über die „Gesetze, Vorschriften, Weisungen, Worte und Gebote“ Gottes nachzusinnen (Ps 1,2; 119,15; 119,23; 119,48; 119,78; 119,148). Was die Rolle des Nachsinnens in der hebräischen Spiritualität angeht, rät ein apokryphes Buch: „Richte dein Sinnen auf die Gebote des Herrn und sinne ständig nach über seine Verordnungen“ (Sirach 6,37). Aber was sollen wir uns unter Nachsinnen (haga) vorstellen? Hat das Nachsinnen der Hebräer etwas damit zu tun, Stilleübungen zu praktizieren? Die alttestamentliche Vorstellung von Nachsinnen ist diesbezüglich sehr erhellend. Mehrere Hinweise zeigen deutlich, dass das alttestamentliche Nachsinnen nichts mit dem Eintreten in einen subjektiven Zustand der Stille zu tun hat.

Erstens, dass das Nachsinnen sich auf das Gesetz richtete, ist ein Hinweis dafür, dass biblisches Nachsinnen nicht eine wortlose Leere propagierte. Das Gesetz besteht aus Worten. Wollen wir kurz annehmen, dass Nachsinnen eine Stille sei, in welcher das Denken einer Person entleert ist und ein tabula rasa (d.i., ein hypothetisch leerer Verstand) entsteht, damit das Denken frei wird, um göttliche „Eindrücke“ zu empfangen. Wenn eine Person in eine solche „Stille“ eintreten könnte, dann müsste der Psalmist nicht mehr beten: „Lass dir wohlgefallen die Worte meines Mundes und das Sinnen meines Herzens vor dir, HERR, mein Fels und mein Erlöser!“ (Ps 19,15), denn es gäbe nichts mehr, woran der Herr Gefallen oder Missfallen haben könnte!

Zweitens, das Wort „nachsinnen“ (haga) hat nichts mit Stille zu tun.2 Wie die Verwendung des alttestamentlichen Wortes andeutet, kann sich „nachsinnen“ auf das Knurren eines Löwen beziehen (Jes 31,4). Solch ein Nachsinnen [im Sinne einer Stille/Meditation] hat kaum etwas mit Stille zu tun.

Drittens, einige Schriftstellen deuten darauf hin, dass „Nachsinnen“ Reden beinhaltet. Zum Beispiel, in einer klassischen Schriftstelle über das Nachsinnen sagte der Herr dem Josua: „Lass dieses Buch des Gesetzes nicht von deinem Mund weichen, sondern forsche darin Tag und Nacht, damit du darauf achtest, alles zu befolgen, was darin geschrieben steht; denn dann wirst du Gelingen haben auf deinen Wegen, und dann wirst du weise handeln!“ (Josua 1,8). In diesem Vers wird „Nachsinnen“ mit dem „Mund“ [Reden] in Verbindung gebracht. Im 19. Psalm betet der Psalmist: „Lass dir wohlgefallen die Worte meines Mundes und das Sinnen meines Herzens vor dir, HERR, mein Fels und mein Erlöser!“ (Ps 19,15). Wiederum verknüpft der Psalmist das „Nachsinnen“ mit den „Worten meines Mundes.“ Beachten Sie, dass das „Sinnen meines Herzens“ den „Worten meines Mundes“ gleichgestellt wird; Wolf kommentiert, dass „der Psalmist sein eigenes Reden mit dem vergleicht, was Gott durch die Natur und durch die Schrift redet.“3 Das Alte Testament stellt das Nachsinnen als etwas dar, was meilenweit von der Spiritualität der Stille entfernt ist. Über die Art und Weise des Nachsinnens schlussfolgert Wolf: „Vielleicht wurde die Schrift in diesem Prozess des Nachsinnens halblaut vorgelesen.“4

Viertens, Nachsinnen beinhaltet laut Altem Testament Denken oder Ersinnen. Der 2. Psalm beginnt mit einer Frage: „Warum toben die Heiden und ersinnen die Völker Nichtiges?“ (Ps 2,1). Interessanterweise bedeutet das Wort „ersinnen“ eigentlich „nachsinnen“. Mit anderen Worten, die Heiden setzten sich über Gottes Wort hinweg und dachten über nichtige Dinge nach; sie wollten ein messianisches Königreich ohne einen Messias errichten. Folglich kann das Nachsinnen ein fruchtbarer Boden sein, um Rebellion gegen Gott aufkommen zu lassen. Ein solches Nachsinnen ist natürlich nicht göttlicher Art. Diesbezüglich warnt Calvin: „Wenn die Schrift uns bei unseren Nachforschungen über Gott nicht leitet, werden unsere Gedanken sofort zu Nichtigem.“5 Nachsinnen kann Vorstellungen hervorrufen, und Gott hat uns nicht berufen, Stilleübungen zu kultivieren, durch die eine spirituelle Disneywelt unser Bewusstsein erfasst, oder schlimmer, durch die der Mensch zu einer Person wird, die sich tobend gegen Gott erhebt (siehe Rö 1,21; Eph 4,17).

Noch unheilvoller, wenn das Nachsinnen nicht auf das Wort Gottes gerichtet ist, kann es Spiritismus fördern. In Bezug auf das Nachsinnen und das Gemurmel spiritistischer Medien warnte der Prophet Jesaja Israel: „Wenn sie euch aber sagen werden: Befragt die Totenbeschwörer und Wahrsager, die flüstern und murmeln! – [so antwortet ihnen]: Soll nicht ein Volk seinen Gott befragen, oder soll man die Toten für die Lebendigen befragen?“ (Jes 8,19). Ist Gottes Wort beim Nachsinnen abwesend, kann es zu einer Aktivität werden, durch welche Personen in die verbotene Zone des Okkulten eintreten (siehe 5Mo 18,9-14). Offensichtlich war sich sogar Richard Foster dieser Gefahr bewusst, als er im Zusammenhang mit der Praxis der stillen Kontemplation eine Warnung aussprach:

„Ich will auch ein Wort der Warnung weitergeben. In der stillen Kontemplation vor Gott treten wir tief in eine spirituelle Welt ein, und es gibt so etwas wie eine übernatürliche Führung, bei der es sich nicht um göttliche Führung handelt… es gibt verschiedene Rangordnungen spiritueller Wesen, und einige von ihnen kooperieren definitiv nicht mit Gott und seinen Wegen!“6

Die Warnungen Fosters beleuchten sehr genau, warum biblisches Nachsinnen das Lesen der Schrift und das Hören der Schrift erfordern. Als der Teufel Jesus versuchte – als Jesus in seiner Menschlichkeit Einsamkeit und Hunger in der Wüste erfuhr -, stellte sich Jesus gegen die Stille, indem er hörbar das mosaische Gesetz zitierte (Mt 4,4-10): es steht „geschrieben“. Jesus antwortete drei Mal mit hörbaren Worten, „Jesus antwortete und sprach … Jesus sprach … und Jesus sprach.“ Obwohl Jesus sich oft in die Stille zurückzog, gibt es aus den Evangelien keine Hinweise, dass er sich in seinem Leben und Dienst spirituellen Stilleübungen hingab.

Ein Gelehrter schrieb:

„Nachsinnen bedeutet aktive Kontemplation, nicht wandernde Tagträume [d.i., ein Zustand geistesabwesender oder versponnener Träumerei]. Es handelt sich um zielgerichtete Konzentration des Denkens auf das Subjekt des Nachsinnens und eine bewusste Verwerfung disharmonischer Gedanken und Bilder. Der Mystizismus beschreibt eine weitere Stufe des Nachsinnens, in der persönliche Aktivitäten unterdrückt werden, rationales Denken transzendiert wird und die Person auf einer Welle kontemplativer Gefühle in einen Zustand der Ekstase versetzt wird, die als höchste Gottesbegegnung gilt. Derartiges findet sich nicht in den Psalmen…“7

Noch gibt es in der übrigen Schrift einen Hinweis darauf.

Zusammenfassend kann man sagen, dass biblisches Nachsinnen nichts mit dem Kultivieren von Stilleübungen zu tun hat.8 Das hebräische Wort für „nachsinnen“ (haga und siyach) lassen eine solche Deutung nicht zu. Wie wir gesehen haben, handelt es sich beim Nachsinnen im Alten Testament um eine bewusste Aktivität, durch die fromme Seelen die „Gesetze, Vorschriften, Weisungen, Worte und Gebote“ Gottes reden und darüber nachdenken. Folglich ist wahre Meditation objektiv und nicht subjektiv; sie ist aktiv und nicht passiv; und sie ist bewusst und nicht unbewusst. Biblisches Nachsinnen ist weder stille, noch von einem leeren Verstand begleitet. Wie Gläubige ihr Denken auf die Worte der Schrift richten, beinhaltet das Nachsinnen die Teilnahme und Reaktion der ganzen Person, Leib (sprechen und hören) und Seele (Erkennen, Fühlen und Gehorsam), um auf Gottes Kommunikation zu reagieren, eine Kommunikation, die durch Worte, Werke, Wunder, Wege und Weisheit des allerheiligen Gottes beruht (siehe Ps 1,2; 77,11-14; 119,15; 119,23; 119,27; 119,48; 143,5; 145,5).

Stille Kontemplation, zumindest so, wie sie von modernen spirituellen Führern definiert wird, kann nicht als eine biblische Form des Nachsinnens betrachtet werden. Die Stille eines Menschen führt nicht in die Gegenwart Gottes. In Gottes Gegenwart tritt der Gläubige nach alttestamentlicher Vorstellung eines geistlichen Lebens nur dann, wenn er über Gottes Wort nachdenkt und es rezitiert. Immer wenn man die Schrift durchdenkt und ihr bereitwillig gehorcht, findet Nachsinnen statt. Das Wort muss das Nachsinnen inspirieren.

Larry DeBruyn, On Meditating.


Anmerkungen

[1] Richard J. Foster, Life with God, Reading the Bible for Spiritual Transformation (New York: HarperCollins, 2008) 14.
[2] Herbert Wolf, “haga 467,” Theological Wordbook of the Old Testament, Volume 1, R. Laird Harris, Editor (Chicago: Moody Press, 1980) 205. Das Alte Testament verwendet auch ein anderes Wort für “nachsinnen” (hebr., siyach). Wie bei dem Wort haga, ist die Bedeutung von siyach’s weit gefasst. Gary Cohen erläutert: “Die grundlegende Bedeutung dieses Verbes bedeutet ‘rezitieren’, ‘bereuen’ oder ‘sich in seinem Denken mit etwas beschäftigen’. Diese Art von Nachsinnen kann man sowohl innerlich als auch äußerlich vollziehen. Man kann das Wort mit „nachsinnen“ oder „sprechen“ übersetzen. (Gary G. Cohen, “siah 2255,” 875-876.) Folglich, wie auch immer das Wort “nachsinnen” wiedergegeben wird, es bedeutet niemals einen Zustand der absoluten Stille oder Passivität.
[3] Wolf, “haga,” Theological Wordbook.
[4] Ebd. Im Januar 1984 nahm ich an einer Fahrradtour in Israel teil. Auf dem Flughafen vor meiner Abreise in New York sah ich chassidische Juden, die sich vor einer Wand des Flughafens mit ihrem Oberkörper vorwärts und rückwärts bewegten und die Thorah in der Hand hielten und laut vorlasen. Was taten sie? Offenkundig praktizierten sie das Nachsinnen (haga), wie das Alte Testament es versteht.
[5] John Calvin, Institutes of the Christian Religion, Volume I, Henry Beveridge, Translator (Grand Rapids: Wm. B. Eerdmans Publishing Company, 1972 Reprint) I.14.1, 141-142. Calvin kommt zu dem Schluss: “Aus diesem Grunde lasst uns bereitwillig in den Grenzen bleiben, die Gott für uns vorgesehen hat und unser Denken kontrollieren, um zu verhindern, dass unsere Gedanken unkontrolliert herumwandern.”
[6] Richard Foster, Prayer, Finding the Heart’s True Home (San Francisco: Harper Collins Publishers, 1992) 157.
[7] James S. McEwen, “Meditate,” A Theological Word Book of the Bible, Alan Richardson, Editor (New York: The Macmillan Company, 1950) 142.
[8] Trappistenmönch des Zisterzienserordens praktizieren Stilleübungen. Thomas Merton (1915-1968), bekannter Autor und Vertreter der Kontemplation, war ein Trappistenmönch des Ordens Abbey of Our Lady of Gethsemani in Kentucky und bekehrte sich später zum Buddhismus. (zu Trappisten: hier)